{"id":27,"date":"2019-10-12T08:53:00","date_gmt":"2019-10-12T08:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/?page_id=27"},"modified":"2019-10-13T13:16:35","modified_gmt":"2019-10-13T13:16:35","slug":"margarete-blank","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/?page_id=27","title":{"rendered":"Margarete Blank"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #333333; font-size: 1rem;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12 alignright\" src=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/csm_dr-margarete-blank_cdc47830bc-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/>geboren am 21.02.1901<br \/>\n<\/span><\/strong><strong style=\"font-size: 1rem;\">hingerichtet am 08.02.1945 in Dresden<\/strong><\/p>\n<div class=\"ce-textpic ce-right ce-intext\">\n<div class=\"ce-bodytext\">\n<div>\n<p>Margarete Blank war keine Einheimische. Sie kam als Fremde in das Dorf und war mit den Eigenheiten und Lebensgewohnheiten dieser kleinen, damals kaum mehr als 1000 Einwohner z\u00e4hlenden Gemeinde nur wenig vertraut. Ihre Eltern waren wohlhabende Deutsch-Balten, die in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine Anfang dieses Jahrhunderts lebten. Der Vater projektierte als Diplomingenieur in diesem landwirtschaftlichen Gebiet Zuckerfabriken, die Mutter arbeitete als Zahn\u00e4rztin.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-50 alignright\" src=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/1-225x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/1-225x300.jpeg 225w, http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/1.jpeg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Die drei Kinder, Herbert &#8211; der \u00e4lteste -, Margarete und Eleonore verlebten eine gl\u00fcckliche Kindheit, frei von materiellen Sorgen. Sie interessierten sich f\u00fcr Kunst. Literatur, Musik und Sprachen. Die Schwestern besuchten eine evangelische T\u00f6chterschule und sp\u00e4ter eine Frauenhochschule in Kiew. Margarete beherrschte 6 Sprachen, einschlie\u00dflich der griechischen und hebr\u00e4ischen.<\/p>\n<p>Kiew war in den Jahren 1918 bis 1920 von erbitterten K\u00e4mpfen gekennzeichnet. Die Stadt wurde abwechselnd von revolution\u00e4ren Arbeitern, ukrainischen Nationalisten sowie polnischen und deutschen Interventen beherrscht. In diesen K\u00e4mpfen von Revolution und B\u00fcrgerkrieg wurde die Mutter durch ein Gescho\u00df t\u00f6dlich getroffen. Daraufhin verlie\u00dfen die Blanks &#8211; Vater, Sohn und die T\u00f6chter &#8211; ihre ukrainische Heimat und siedelten nach Deutschland \u00fcber. Ihre erste Station war Kolberg an der pommerschen Ostseek\u00fcste. Am Realgymnasium dieser Stadt legten die Schwestern ihre Reifepr\u00fcfung ab. Der um 10 Jahre \u00e4ltere Bruder hatte seine Ausbildung bereits in Kiew abgeschlossen.<\/p>\n<p>Nach kurzer Zeit schon trennte sich der Vater von den Kindern und w\u00e4hlte Berlin als neuen Wohnsitz. Die Geschwister zog es nach Leipzig, bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich diese Stadt mit ihrer ehrw\u00fcrdigen Universit\u00e4t zu einem Anziehungspunkt f\u00fcr junge russische Intellektuelle entwickelt.<\/p>\n<p>Hier lernten sie auch die Br\u00fcder Valentin und Georg Sacke kennen, Deutsch-Balten, wie sie, die in Leipzig studierten. Ganz sicher waren es nicht nur gleiche Erinnerungen an die ferne Heimat ihrer Kinderzeit, die sie zu guten Freunden werden lie\u00dfen. Vielmehr waren es wohl gemeinsame humanistische Ideale, die sie miteinander verbanden und sp\u00e4ter zu mutigen, standhaften K\u00e4mpfern gegen Faschismus und Krieg werden lie\u00dfen. Im Mai 1921 erf\u00fcllte sich Margaretes Wunsch: Sie begann an dieser traditionsreichen Alma mater Lipsiensis ihr Medizinstudium. Das war zur damaligen Zeit f\u00fcr eine Frau durchaus noch nichts Allt\u00e4gliches!<\/p>\n<p>Alle amtlichen Dokumente, von der Verpflichtungsurkunde bis zum Studienabschlu\u00df, enthielten nur die Bezeichnung &#8222;Herr&#8220;, die dann handschriftlich auf &#8222;Fr\u00e4ulein&#8220; abge\u00e4ndert wurden. Mit der ihr eigenen Zielstrebigkeit begann das junge M\u00e4dchen das Studium und legte nach zwei Jahren die erste Vorpr\u00fcfung ab, die \u00fcber die weitere Eignung zum Medizinstudium entschied. Der Pr\u00fcfungskommission stand der ber\u00fchmte Mediziner Dr. Karl Sudhoff vor. Die gestrenge Pr\u00fcfungskommission bescheinigte der Studentin Margarete Blank sehr gute Leistungen und erteilte ihr die Gesamtnote 1. Das &#8222;sehr gut&#8220; wiederholte Margarete drei Jahre sp\u00e4ter in der \u00e4rztlichen Abschlu\u00dfpr\u00fcfung und nach einem anschlie\u00dfenden praktischen Jahr in verschiedenen Fachkliniken wurde ihr im Dezember 1927 die Approbation als \u00c4rztin erteilt. Endlich geschafft! Sechs Jahre harten entbehrungsreichen Studiums lagen hinter ihr.<\/p>\n<p>Nach dem Studium sammelte Margarete als junge Assistenz\u00e4rztin praktische Erfahrungen an Leipziger Kliniken, insbesondere auf den Gebieten der Chirurgie und inneren Medizin. Au\u00dferdem \u00fcbernahm sie zeitweilige Vertretungen im Stadtkrankenhaus Kirchberg in Sachsen, in einer ausgedehnten Landpraxis in Scheibenberg im Erzgebirge sowie bei einem praktischen Arzt in Leipzig. Von den Leitern dieser Einrichtungen erhielt sie ausgezeichnete Zeugnisse, die ihr die Bewerbung an einer der Leipziger Universit\u00e4tskliniken erm\u00f6glicht h\u00e4tten.. Aber Margarete gewann w\u00e4hrend dieser praktischen T\u00e4tigkeit die Erkenntnis, wie wichtig es ist, unmittelbaren Kontakt zu seinen Patienten zu haben, sie in ihrer Umwelt, mit ihren Sorgen und Problemen kennenzulernen, um ihnen wirksam helfen zu k\u00f6nnen. Deshalb war es ihr Wunsch, eine eigene Arztpraxis zu er\u00f6ffnen. Das war ein k\u00fchner Entschlu\u00df f\u00fcr ein M\u00e4dchen, das weder F\u00fcrsprecher noch das erforderliche Startkapital besa\u00df. Wie wollte sie das allein schaffen?<\/p>\n<p>Sie schaffte es!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-10 alignright\" src=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/csm_MB_beim_Hausbesuch_f1d18aefc7-203x300.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/csm_MB_beim_Hausbesuch_f1d18aefc7-203x300.jpg 203w, http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/csm_MB_beim_Hausbesuch_f1d18aefc7-768x1136.jpg 768w, http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/csm_MB_beim_Hausbesuch_f1d18aefc7-692x1024.jpg 692w, http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/csm_MB_beim_Hausbesuch_f1d18aefc7.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/>Anfang 1929 bewarb sie sich um die Er\u00f6ffnung einer Landarztpraxis in Panitzsch. In diesem Ort hatte es zuvor noch nie einen eigenen Arzt gegeben. Waren die Menschen krank, mu\u00dften sie einen Arzt in Borsdorf oder Taucha konsultieren.<\/p>\n<p>Warum sich Margarete gerade f\u00fcr Panitzsch entschied, wei\u00df heute niemand mehr zu sagen. Vielleicht folgte sie einer Empfehlung des Bruders, der in diesem Ort ein Grundst\u00fcck erworben hatte &#8211; oder die fehlenden Mittel gestatteten ihr nicht, sich um eine gr\u00f6\u00dfere Praxis zu bewerben. Der Gemeinderat pr\u00fcfte die Bewerbung; er pr\u00fcfte lange und lie\u00df sich Zeit mit der endg\u00fcltigen Entscheidung. Endlich am 1. Februar 1930, erhielt Margarete die Mitteilung, &#8222;da\u00df das hiesige Gemeindeverordnetenkollegium und der Finanz- und Verfassungsausschu\u00df&#8230; einstimmig das Bed\u00fcrfnis zur Niederlassung eines Arztes in Panitzsch bejaht haben.&#8220; Dieser neue Weg, den die junge, noch unerfahrene \u00c4rztin betrat, war nicht weniger schwer als das hinter ihr liegende Studium. Die Schwestern hatten inzwischen ihr gemeinsames Studentenzimmer in Leipzig aufgegeben und waren nach Panitzsch verzogen. Eleonore brach ihr eigenes Studium ab, um der Schwester bei der Einrichtung der Praxis zu helfen.<\/p>\n<p>Der Umzug ging schnell, ein M\u00f6belwagen war nicht notwendig. Die gesamte Habe fand in zwei Koffern Platz. In einem Wohnhaus in der Sehliser Str. mieteten die Schwestern zwei Zimmer, das eine zum Wohnen, das andere f\u00fcr die Praxis. Wenige Monate sp\u00e4ter gesellte sich der junge Orientalist Dr. Siegfried Behrsing zu ihnen; auch er fand im gleichen Hause Unterkunft. W\u00e4hrend seines Studiums in Leipzig hatte er Eleonore kennengelernt und sp\u00e4ter geheiratet.<\/p>\n<p>War es f\u00fcr die kleine Landgemeinde schon ungew\u00f6hnlich, zwei junge Frauen aufzunehmen, die im fernen Ru\u00dfland geboren waren, so kam der junge Doktor Behrsing von noch weiter her. &#8222;Zugezogen aus Peking&#8220; stand in der Einwohnermeldekartei, dahinter ein kleines Fragezeichen. Sollte das etwa verschrieben sein und Penig bei Leipzig hei\u00dfen? Nein, der Ortsname Peking stimmte. Dr. Behrsing, ebenfalls ein Deutsch-Balte, der in Leipzig promoviert hatte, besch\u00e4ftigte sich mit der Sprache und Kultur des fernen China. In Peking hatte er ein Praktikum absolviert und war jetzt zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p>Das ausgezeichnete Fachwissen, die W\u00e4rme und das Verst\u00e4ndnis der jungen \u00c4rztin f\u00fcr die N\u00f6te und Sorgen der Menschen, die Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft der Schwestern, lie\u00dfen sie sehr schnell Achtung und Vertrauen finden. Bald gewannen sie Freunde im Ort. Immer \u00f6fter wurde sie auch zu Patienten in den Nachbarorten gerufen. Selbst in Taucha war sie gesch\u00e4tzt und geachtet, trotz mehrerer dort ans\u00e4ssiger \u00c4rzte. Sp\u00e4ter sah sich selbst die faschistische Justiz zu dem Eingest\u00e4ndnis gezwungen, da\u00df &#8222;Margarete Blank eine anerkannte t\u00fcchtige \u00c4rztin&#8220; war.<\/p>\n<p>Neben ihrer umfangreichen Arbeit in Panitzsch blieb Margarete mit der Leipziger Universit\u00e4t verbunden. Sie war Mitglied des Instituts der Geschichte der Medizin, das von 1925-1932 von Professor Henry Ernest Sigerist geleitet wurde. Zu seinen Arbeitsmethoden geh\u00f6rten regelm\u00e4\u00dfige Foren und Streitgespr\u00e4che \u00fcber medizinische, sozialplolitische, ethische und philosophische Probleme mit den Mitgliedern des Instituts. Dazu geh\u00f6rten junge Wissenschaftler, Studenten und \u00c4rzte aus der Praxis, die sich auf ihre Promotion vorbereiten. Professor Sigerist, ihr &#8222;Doktorvater&#8220; sch\u00e4tzte die sachkundige und flei\u00dfige Mitarbeit Margaretes in diesen Foren. Bereits als praktische \u00c4rztin t\u00e4tig, promovierte sie 1932 zum Doktor der Medizin.<\/p>\n<p>In Panitzsch erwarteten die junge \u00c4rztin viele Aufgaben. Die Arztpraxis wurde sehr bald zu eng. In der Hauptstra\u00dfe gegen\u00fcber dem heutigen Gemeindeamt fanden sich gr\u00f6\u00dfere R\u00e4ume, die sie bis zu ihrem Tode nutzte. Diese Praxis bestand bis Mitte der 70 er Jahre. Sie wurde erst geschlossen, nachdem gegen\u00fcber, im heutigen Gemeindeamt eine neue Ambulanz er\u00f6ffnete.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-51 alignright\" src=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/2-200x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/2-200x300.jpeg 200w, http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/2.jpeg 427w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Die wachsenden Eink\u00fcnfte der \u00c4rztin und das bescheidene Assistentengehalt Dr. Behrsings gestatteten es, mit Hilfe eines Darlehns ein Grundst\u00fcck zu erwerben und darauf ein einfaches Holzhaus zu bauen. Eine winzige K\u00fcche, zwei kleine Wohnr\u00e4ume und ein Erdkeller vor dem Haus &#8211; das war ihr ganzer Komfort. Wer h\u00e4tte in dieser schweren Zeit der Weltwirtschaftskrise schon gro\u00dfz\u00fcgiger bauen k\u00f6nnen? Die drei Bewohner vom &#8222;Pilz&#8220;, so wurde das H\u00e4uschen liebevoll von ihnen genannt, waren zufrieden. Sie f\u00fchlten sich wohl in ihrer neuen Umgebung.<\/p>\n<p>Ein ausgefahrener Sandweg f\u00fchrte h\u00fcgelan aus dem Dorf hinaus zu diesem Grundst\u00fcck am Ortsausgang. Von dort schweifte der Blick \u00fcber ausgedehnte Felder und Wiesen bis hin zum bewaldeten Fuchsberg. Das mag die Schwestern ein wenig an ihre ukrainische Heimat erinnert haben. Zu Lebzeiten Margaretes ging es im Haus oft recht fr\u00f6hlich zu. Freunde und Kampfgef\u00e4hrten genossen die herzliche Gastfreundschaft der Schwestern. Zu ihnen z\u00e4hlten Valentin und Georg Sacke mit ihren Frauen, Berufskollegen und gelegentlich auch Professor Sigerist mit seiner Familie. Ein herzlich willkommener Besucher war der Ingenieur Alexander Hardt, ein Freund der Schwestern, den sie aus ihrer gemeinsamen Jugendzeit in Kiew kannten. Auch er war nach Deutschland \u00fcbergesiedelt und wohnte in Berlin.<\/p>\n<p>Geheiratet und eine eigene Familie gegr\u00fcndet hat Margarete nicht. Ihre ganze F\u00fcrsorge und Zuwendung galt ihren Patienten und Freunden sowie denen, die ihre Hilfe suchten. Das forderte ihr viel Kraft, Selbstdisziplin und pers\u00f6nliche Bescheidenheit ab. Sie war ein wunderbarer Mensch, eine bemerkenswerte Pers\u00f6nlichkeit, sagten alle, die sie kennen und sch\u00e4tzen gelernt hatten. Sie liebte die Natur und die Tiere. Ein Foxterrier war ihr st\u00e4ndiger Begleiter.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-54 alignright\" src=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/5-300x194.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"194\" srcset=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/5-300x194.jpg 300w, http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/5-768x495.jpg 768w, http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/5-1024x660.jpg 1024w, http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/5.jpg 1693w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Das Jahr 1932 warf erste Schatten auf das Leben Margaretes. Professor Ernest Sigerist verlie\u00df mit seiner Familie Deutschland; er folgte einem Ruf an die Universit\u00e4t in Baltimore in den USA. Die Gefahr des Faschismus erkennend, begleiteten ihn einige seiner engsten Mitarbeiter. Er bot auch Margarete an, ihm dorthin zu folgen. Die Entscheidung fiel schwer. Hatte sie das Recht, das Vertrauen ihrer Patienten zu entt\u00e4uschen, gerade zu einer Zeit, da sie in Panitzsch Anerkennung gefunden hatte? Durfte sie die Schwester verlassen, die ihretwegen auf die Fortsetzung des eigenen Studiums verzichtet hatte? Da war auch noch das Haus, belastet mit Darlehen, die noch nicht zur\u00fcckgezahlt waren. Margarete entschied: Ich bleibe. Zum damaligen Zeitpunkt konnte sie noch nicht erkennen, welches Schicksal sie sp\u00e4ter erwartete.<\/p>\n<p>Das Jahr 1933 versetzte ihr und ihren Freunden schon bald harte Schl\u00e4ge. Siegfried, Rosemarie und Valentin Sacke, von der Universit\u00e4t verwiesen, verlie\u00dfen Leipzig. Auch Siegfried Behrsing wurde an der Universit\u00e4t entlassen, weil er sich weigerte, dem nationalsozialistischen Dozentenbund beizutreten. Er war l\u00e4ngere Zeit arbeitslos, bis er 1936 eine Anstellung in einem Berliner Museum fand. Seine Frau Eleonore folgte ihm nach Berlin, blieb aber mit ihrer Schwester in st\u00e4ndiger Verbindung. Margarete selbst bekam ebenfalls die Gef\u00e4hrlichkeit der neuen Machthaber zu sp\u00fcren. Unter dem Verdacht, J\u00fcdin zu sein, wurde ihr die kassen\u00e4rztliche T\u00e4tigkeit gek\u00fcndigt. Das h\u00e4tte das Ende ihrer Existenz bedeutet.<\/p>\n<p>Die \u00c4rztin k\u00e4mpfte um ihr Recht und beschwerte sich beim Reichsarbeitsministerium. Mit Schreiben vom 30. Oktober 1933 erhielt sie von dort folgende Antwort: &#8222;Aus den von Ihnen beigebrachten Unterlagen geht hervor, da\u00df f\u00fcr Sie der Nachweis arischer Abstammung wegen der besonderen Umst\u00e4nde nicht m\u00f6glich ist. Da andererseits ein Anhaltspunkt daf\u00fcr, da\u00df Sie nichtarischer Abstammung seien, nicht vorliegt, konnte die angefochtene Entscheidung nicht aufrecht erhalten werden. Diese Entscheidung ist endg\u00fcltig.&#8220; Diese sogenannte endg\u00fcltige Entscheidung sch\u00fctzte Margarete jedoch nicht vor neuen Repressalien. Eine Frau, die damals ihre humanistische Haltung offen zeigte, nicht mit dem Hitlergru\u00df, sondern mit &#8222;Guten Tag&#8220; gr\u00fc\u00dfte, die es ablehnte der NSDAP und dem NS-\u00c4rztebund beizutreten und zudem noch aus Ru\u00dfland kam, war verd\u00e4chtig und pa\u00dfte nicht in das Ortsbild.<\/p>\n<p>1939 begann der 2. Weltkrieg &#8211; Das kleine Fr\u00e4ulein Doktor sah sich mit neuen Anforderungen konfrontiert, die ihr viel Kraft, pers\u00f6nlichen Mut und politische Konsequenz abforderten. Leid galt es zu tr\u00f6sten in Familien, deren Angeh\u00f6rige aus dem Krieg nicht zur\u00fcckkehrten. Krankheiten nahmen zu, je mangelhafter die Versorgung mit Lebensmitteln, Milch, Kindernahrung, Kleidung und Schuhen wurde.<\/p>\n<p>Erste Bomben fielen in der Umgebung. \u00dcberall wurde die \u00c4rztin gebraucht.<\/p>\n<p>Aber da war noch etwas Neues, bisher nicht Dagewesenes, das die Humanistin zu pers\u00f6nlichen Entscheidungen zwang. Die deutsche R\u00fcstungsindustrie lief auf Hochtouren. Immer mehr Menschen wurden gebraucht. Deutsche Arbeiter waren knapp. Sie verbluteten an den Fronten. Grund f\u00fcr Hitler, den gr\u00f6\u00dften Menschenhandel aller Zeiten anzuordnen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst kamen vorwiegend junge M\u00e4dchen und Frauen aus Polen, der Ukraine und der Tschechoslowakei freiwillig nach Deutschland, um &#8222;Geld zu verdienen&#8220;. Ihnen folgten zwangsweise Deportierte aus allen okkupierten L\u00e4ndern Europas. Ihnen folgten Kriegsgefangene und schlie\u00dflich Tausende von KZ &#8211; H\u00e4ftlingen, vorwiegend j\u00fcdische Frauen. Allein in der Stadt Taucha &#8211; umgeben von den R\u00fcstungskonzernen &#8222;Hasag&#8220; (Hugo-Schneider-AG, Junkers-Flugzeugwerken &#8222;Erla&#8220; und den &#8222;Mitteldeutschen Motorenwerken&#8220; wurden 1944 mehr als 6000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene registriert. Im Lager eingesperrt blieben sie allein mit ihren Sorgen, ihrem Heimweh und ihren durch gnadenlose Ausbeutung verursachten Krankheiten. Den deutschen \u00c4rzten war verboten, ihnen zu helfen. Lager\u00e4rzte bekamen kaum Medikamente. Dr. Margarete Blank fand einen Weg.<\/p>\n<p>Unter Umgehung staatlicher Anweisungen besorgte sie ihnen dringend ben\u00f6tigte Medikamente. Bl\u00e4ttert man in alten Rezeptregistern der Tauchaer Apotheken, so f\u00e4llt auf, da\u00df sich seit 1943 bis kurz vor der Verhaftung Dr. Blanks im Juli 1944 in wachsender Anzahl Rezepte fanden mit der Bemerkung &#8222;Eigenbedarf&#8220;, &#8222;Praxisbedarf&#8220; oder &#8222;Privat&#8220; auf Rechnung aller damals bestehenden Krankenkassen. Das war eine von antifaschistischen \u00c4rzten oft genutzte M\u00f6glichkeit, die Namen der Patienten zu umgehen, f\u00fcr die diese Medikamente bestimmt waren. Damit ersch\u00f6pfte sich ihre Hilfe nicht. Margarete nutzte die Abgeschiedenheit ihrer Wohnung, um Nachrichten ausl\u00e4ndischer Sender abzuh\u00f6ren und an die Gefangenen weiterzuleiten. Sie wu\u00dfte, da\u00df sie damit ihr Leben riskierte. Die Faschisten nannten das &#8222;H\u00f6rspionage&#8220;. Darauf stand die Todesstrafe.<\/p>\n<p>Im Juli 1944 holte das faschistische Regime zu einem grausamen Schlag aus. Von Feinden verraten, fiel die gesamte Leitung der Leipziger Widerstandsbewegung in die H\u00e4nde der Geheimen Staatspolizei. Auch Dr. Margarete Blank wurde am 14. Juli 1944 verhaftet.<\/p>\n<p>Im Oktober 1944 erhob der 6. Strafsenat des Volksgerichtshofes in Dresden gegen sie Anklage wegen Wehrkraftzersetzung. Einziger Anklagepunkt war die Denunziation eines Borsdorfer Oberstabsarztes, dessen erkrankte Kinder von Dr. Margarete Blank behandelt wurden und die bei diesen Besuchen den \u00c4ngsten der Ehefrau vor den Russen beruhigend entgegentrat, reichten der faschistischen Justiz, sie als &#8222;bolschewistische Spionin&#8220; wegen &#8222;Wehrkraftzersetzung&#8220; zum Tode zu verurteilen. Angeh\u00f6rige und Freunde waren fassungslos. Im Ort wurden mehr als 200 Unterschriften f\u00fcr ein Gnadengesuch gesammelt. Vergeblich, der Oberreichsanwalt entschied, die Hinrichtung mit gr\u00f6\u00dfter Beschleunigung zu veranlassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-59 alignright\" src=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/MBlank-Stein-1-108x300.jpg\" alt=\"\" width=\"108\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/MBlank-Stein-1-108x300.jpg 108w, http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/MBlank-Stein-1.jpg 314w\" sizes=\"auto, (max-width: 108px) 100vw, 108px\" \/>Am 9. Februar 1945 teilte der Oberstaatsanwalt dem Minister f\u00fcr Justiz mit: &#8222;Ich zeige an, da\u00df die Verurteilte Margarete Blank am 8. Februar 1945, abends 18 Uhr 02 Minuten in einem umschlossenen Hof hingerichtet worden ist. Der Vorgang hat 20 Sekunden in Anspruch genommen. Zwischenf\u00e4lle haben sich nicht ereignet.&#8220;<br \/>\nDer Betrachter stellt sich heute die Frage &#8211; wieso dieses unvorstellbar harte Urteil? Die noch vorhandene Gnadenakte gibt au\u00dfer dieser Denunziation keine weiteren Aufschl\u00fcsse. Wu\u00dfte die Gestapo mehr oder gen\u00fcgte die Tatsache, da\u00df sie aus der Ukraine kam, erst 1924 die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft erwarb, keiner Partei angeh\u00f6rte, sondern ihre humanistische, christliche Einstellung zeigte, sie gnadenlos hinzurichten? Dar\u00fcber kann heute niemand mehr Auskunft geben, denn die Gerichtsakte ist nicht mehr aufzufinden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>geboren am 21.02.1901 hingerichtet am 08.02.1945 in Dresden Margarete Blank war keine Einheimische. Sie kam als Fremde in das Dorf und war mit den Eigenheiten und Lebensgewohnheiten dieser kleinen, damals kaum mehr als 1000 Einwohner z\u00e4hlenden Gemeinde nur wenig vertraut. 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