{"id":131,"date":"2020-02-20T21:16:27","date_gmt":"2020-02-20T21:16:27","guid":{"rendered":"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/?p=131"},"modified":"2020-02-20T21:18:35","modified_gmt":"2020-02-20T21:18:35","slug":"lvz-bericht-das-fraeulein-doktor-und-der-justizmord-von-dresden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/margarete-blank-gedenkstaette.com\/?p=131","title":{"rendered":"LVZ Bericht: Das Fr\u00e4ulein Doktor und der Justizmord von Dresden"},"content":{"rendered":"<p>Die Luftangriffe auf Dresden brachten Tod und Verw\u00fcstung. Was viele nicht wissen: Die zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 niedergegangenen Bomben retteten aber auch manches Leben \u2013 das von politisch Gefangenen. Nicht so das von Margarete Blank. Die \u00c4rztin aus Panitzsch bei Wurzen starb am 8. Februar unter dem Fallbeil.<\/p>\n<p>Am heutigen 27. Januar ist Tag der Opfer des Hitlerfaschismus. Auf den Tag genau vor 75 Jahren wurde das KZ Auschwitz befreit. Zu der Zeit sa\u00df Margarete Blank noch immer in der Haftanstalt des Dresdener Landgerichts und wartete auf die Vollstreckung ihres Todesurteils. Die in der Dresdener S\u00fcdvorstadt gelegene Trutzburg geh\u00f6rt heute zum Campus der TU Dresden. Hunderte Studenten gehen t\u00e4glich ein und aus. Ein separater Eingang f\u00fchrt in eine kleine Gedenkst\u00e4tte. Von dort aus gelangt der Besucher auf den ehemaligen Richthof.<\/p>\n<p>Zwischen 1933 und 1945 wurden hier 1330 Menschen enthauptet. Meist morgens oder abends, wenn im Gericht nichts los war. Ein Denkmal von K\u00fcnstler Arnd Wittig aus dem Jahre 1962 zeigt Widerstandsk\u00e4mpfer im Angesicht ihrer bevorstehenden Hinrichtung. Es hei\u00dft, der urspr\u00fcnglich vorgesehene Entwurf von 1959 habe noch einmal \u00fcberarbeitet werden m\u00fcssen. Da sich unter den durchweg m\u00e4nnlichen Figuren nur eine einzige Frau befand \u2013 und die auch noch trauerte(!) \u2013 sollte unbedingt eine standhafte K\u00e4mpferin her. Die dann auch kam.<\/p>\n<p>Gedenkst\u00e4ttenleiterin Birgit Sack spricht nicht unkritisch vom \u201estaatsoffiziellen Geschichtsbild\u201c der DDR. Sie hat eine Brosch\u00fcre \u00fcber Margarete Blank verfasst. Darin schreibt sie von der \u201eantifaschistischen Widerstandsk\u00e4mpferin\u201c und der \u201eVork\u00e4mpferin des sozialistischen Gesundheitswesens\u201c, als solche Blank lange Zeit vereinnahmt worden sei. Tats\u00e4chlich, so Sack, sei Blank keine politische Widerstandsk\u00e4mpferin gewesen. Vielmehr habe sie ein aufrechtes Leben gelebt und ihre W\u00fcrde bis zu ihrem Tod bewahrt. Das Blutdruck-Messger\u00e4t der \u00c4rztin ist in einer Vitrine zu sehen.<\/p>\n<p>Kleines Fr\u00e4ulein Doktor, so nannten die Panitzscher einst ihre \u00c4rztin. Zwar begegneten sie ihr, der aus Russland Zugereisten, anf\u00e4nglich eher distanziert. Doch sch\u00e4tzten sie ihre Arbeit. Rund um die Uhr war die alleinstehende Frau, die ein abgelegenes Holzhaus bewohnte, f\u00fcr ihre Patienten da. Am 14. Juli 1944 wurde Margarete Blank von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) festgenommen. Sie sei eine bolschewistische Spionin und Agentin, lautete der Vorwurf.<\/p>\n<p>Zwar verweigerte sie den Hitlergru\u00df, behandelte auch Nicht-Deutsche und schrieb Soldaten \u201efrontuntauglich\u201c \u2013 doch was steckte wirklich hinter dem Zugriff? Die Fakten sind nicht neu: Blank umsorgte mit Erfolg die f\u00fcnf an Keuchhusten erkrankten Kinder des Borsdorfer Oberstabsarztes Werner Benne. Der war zu dem Zeitpunkt in Russland an der Front. W\u00e4hrend eines Heimaturlaubs zeigte er seine Panitzscher Kollegin an. Sie habe sich gegen\u00fcber seiner Frau russlandfreundlich ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hatte Erika Benne ihren Mann zuvor brieflich informiert. Dabei wollte Blank die ihr im Arztzimmer gegen\u00fcber sitzende Frau wohl nur beruhigen. Der Krieg sei bald vorbei, man m\u00fcsse sich vor den Russen nicht f\u00fcrchten, soll sie sinngem\u00e4\u00df gesagt haben. Niemand wei\u00df genau, welche Worte wirklich fielen. Fest steht: Ihre Offenheit wurde Blank zum Verh\u00e4ngnis. Im Dresdener Landgericht machte man ihr den Prozess: Am 15. Dezember wurde sie zum Tode verurteilt. Damit, das geht aus den Unterlagen hervor, hatte sie nie gerechnet.<\/p>\n<p>Am Morgen des 8. Februar teilte man ihr mit, dass das Gnadengesuch abgelehnt ist und sie hingerichtet werde. An ihren um einiges \u00e4lteren Bruder Herbert durfte sie noch einen Abschiedsbrief schreiben. Darin bedankte sie sich f\u00fcr dessen freundliche Unterst\u00fctzung in ihrer Studienzeit und bat ihn um Entschuldigung, dass sie manchmal zu wenig Zeit f\u00fcr die Familie hatte: \u201eDie Pflicht gegen meine Kranken ging mir vor.\u201c Gegen 18 Uhr wurde sie get\u00f6tet \u2013 zusammen mit einem Dutzend M\u00e4nner.<\/p>\n<p>\u201eEs waren in Dresden die letzten Gefangenen, die in der Nazizeit unter der Guillotine starben\u201c, sagt die Gedenkst\u00e4ttenleiterin. Nach den Bombardierungen seien vor allem Pl\u00fcnderer im Hof erschossen worden. Dagegen sei es zu Tode verurteilten politischen H\u00e4ftlingen mitunter gelungen, das allgemein herrschende Chaos zur Flucht zu nutzen. Als Beispiel nennt sie zwei tschechische Gefangene, die zusammen mit dem deutschen Arzt Fritz Gietzelt \u00fcber Mei\u00dfen t\u00fcrmten.<\/p>\n<p>Blanks gewaltsamer Tod werfe ein Schlaglicht auf das in der NS-Zeit weit verbreitete Denunziantentum und die Menschen verachtende sogenannte \u201eRechtssprechung eines Regimes, das jede Kritik an Staat und Partei mit drakonischen Strafen bis hin zum staatlich sanktionierten Justizmord ahndete\u201c, sagt Birgit Sack. Darin stimmt ihr der Leipziger Osteuropa-Historiker Volker H\u00f6lzer zu. Er bezeichnet Margarete Blank dennoch als Widerstandsk\u00e4mpferin, weil es daf\u00fcr auch Belege gebe. So versteckte sie in ihrem Haus nachweislich Bilder des kommunistischen Malers Alfred Frank, ist H\u00f6lzer \u00fcberzeugt. Au\u00dferdem habe sie freundschaftliche Kontakte zu Georg und Rosemarie Sacke und damit Beziehungen zu aktiven Widerstandsgruppierungen unterhalten. Desweiteren soll sie Kriegsgefangene medizinisch betreut haben, so H\u00f6lzer. Er wisse um die Argumentation der Gedenkst\u00e4ttenleiterin und sch\u00e4tze sie auch: \u201eHier gibt es je nach Aktenlage zwei unterschiedliche wissenschaftliche Einordnungen. Das ist durchaus normal.\u201c<\/p>\n<p>Werner Benne blieb nach Angaben von Birgit Sack im Krieg. Erika Benne und Frieda Schnabel, letztere war Leiterin der NS-Frauenschaft in Panitzsch, wurden nach 1945 zu Haftstrafen verurteilt \u2013 als \u201eBeihelfer bei der Begehung eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit\u201c. Fiel die Berichterstattung in der Presse seinerzeit tendenzi\u00f6s aus, wurden Prozessverlauf und Urteil in der \u00d6ffentlichkeit kontrovers diskutiert. Die Zweenfurtherin Petra Lau widmete sich dagegen der Rolle von \u201eBlanks Todesrichter\u201c, Heinrich von Zeschau: \u201e1962 wurde er in Ulm mit vollen Pensionsbez\u00fcgen in Ruhestand versetzt.\u201c<\/p>\n<p><strong>von<\/strong><br \/>\n<strong>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Haig Latchinian<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Luftangriffe auf Dresden brachten Tod und Verw\u00fcstung. Was viele nicht wissen: Die zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 niedergegangenen Bomben retteten aber auch manches Leben \u2013 das von politisch Gefangenen. Nicht so das von Margarete Blank. Die \u00c4rztin aus Panitzsch bei Wurzen starb am 8. Februar unter dem Fallbeil. Am heutigen 27. 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